Die Erfahrung zeigt, dass viele Veränderungen ca. zwei bis zweieinhalb Jahre Zeit brauchen, bis sich etwas Neues etabliert hat. Dies heisst jedoch nicht, dass während zwei Jahren dauernd Seminare und Beratungen besucht werden müssen.

In der Einzel- und Paarberatung haben Sie Gelegenheit, Veränderungen zu reflektieren und Erfahrungen aus der Aufstellungsarbeit, der Festhaltetherapie, dem Lifespan oder dem transpersonalen Atmen zu integrieren und in den Alltag zu übertragen. Neben dem systemischen Beratungsansatz (z.B. Schlippe von & Schweitzer, 1998) wird dabei auf drei Methoden fokussiert: Das Enneagramm, das Zwiegespräch und den Imago Dialog.

 

Das Zwiegespräch: Energie-Tankstelle für alle Zweierbeziehungen

Im (Berufs)Alltag fällt auf, dass wir für alles mögliche Zeit haben oder auch einsehen, wo es unsere Zeit unbedingt braucht: z.B. für das Team, für Konferenzen, für die Kinder, für die Verwandten etc. Jedoch was wir sehr oft stiefmütterlich behandeln oder meist ganz vergessen zu pflegen, ist die Zeit fürs Paarleben. Dies kann durch das Zwiegespräch verändert werden. Es hat sich nicht nur auf der Paarebene, sondern auch für alle anderen Zweierbeziehungen als wahre Energie-Tankstelle bewährt.

Zwiegespräche vertiefen eine Zweierbeziehung durch eine Fülle von Momenten, vor allem durch die Steigerung der wechselseitigen Einfühlung. Sie folgt aus dieser Form des Gesprächs von selbst, indem beide sich gegenseitig berichten, wie er oder sie sich selbst, den/die andere/n, die gemeinsame Beziehung, die jeweilige Situation gerade erlebt. Man macht sich im Gespräch dem Gegenüber einfühlbar.

Dieser „Austausch von Selbstportraits“ überwindet auf einfache und oft verblüffende Weise die schleichende „Beziehungslosigkeit in der Beziehung“, die nach und nach zu einem inhaltsleeren Nebeneinander statt einem lebendigen Miteinander führt. Die Fähigkeit, zu reden und zuzuhören, entwickelt sich von selbst weiter: learning by doing.

Zwiegespräche brauchen wenigstens einmal in der Woche anderthalb Stunden ungestörte Zeit. Die Regelmässigkeit ist das Geheimnis ihres Erfolges. Sprechen und Zuhören sollten möglichst gleich verteilt werden. Jede/r entscheidet für sich, was er/sie sagen mag, auch wenn Offenheit in der Regel am weitesten führt. Sich wechselseitig einfühlbar zu machen ist das Ziel der Zwiegespräche.

Die Viertelstundenregelung hat sich bewährt. Beide haben je fünfzehn Minuten ganz für sich, die er oder sie für Sprechen oder Schweigen verwenden kann, danach ist der/die andere „dran“ für seine/ihre Viertelstunde. Und so weiter. Partner/innen, die sich schwer tun, etwas für sich zu beanspruchen, schätzen diese Ordnung sehr.

Für eine ausführlichere Beschreibung s. Dokumente (Zwiegespräch).

 

Literatur        

Brink, O. (2001). Spielregeln der Partnerschaft. Freiburg: Herder Verlag.
Brink, O., Quasebarth, A., Saltuari, P. (2004). Wie Offenheit die Liebe stärkt. Freiburg: Herder Verlag. (sehr empfehlenswert)
Hellinger, B. (1998). Wie Liebe gelingt. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme Verlag.
Moeller, Michael L. (1988). Die Wahrheit beginnt zu zweit, das Paar im Gespräch. Reinbeck Hamburg: rororo.

 

Systemische Literatur

Foerster von, H., & Pörksen, B. (2003). Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme-Verlag.
Kriz, J. (1999). Systemtheorie für Psychotherapeuten, Psychologen und Mediziner. Wien: UTB für Wissenschaft.
Schlippe von, A., & Schweitzer, J. (1998). Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.