Äusserlich stimmt (fast) alles und doch. . .

  • misslingt die Kindererziehung
  • scheitern Paargespräche immer am gleichen Punkt
  • häufen sich unerklärliche Unfälle und Krankheiten
  • werden Beziehungen am Arbeitsplatz zur unerträglichen Belastung

Dahinter stecken oft unbewusste familiäre Verstrickungen, die durch das Familienstellen sichtbar gemacht und aufgelöst werden können (Hellinger, 2005).
Das Wissen um wichtige Ereignisse in der Familie bildet die Grundlage für das Familienstellen.

 

Genogramm

genogramm-3d

Das Genogramm ist eine Art Familienstammbaum (Mc Goldrick & Gerson, 1990). Es eignet sich hervorragend als Grundlage für eine Beratung, zur gründlichen Anamnese sowie zur Vorbereitung für ein Familienstellen. Es werden dabei wichtige Daten und Ereignisse in der eigenen Familie zusammengetragen und mit Zeichensymbolen aufgezeichnet. Zusätzlich wird die Sichtweise auf mehrere Generationen ausgeweitet. Deshalb kann es wichtig werden, in der eigenen Familie etwas zu forschen.
Informationen, die für ein Genogramm und das Familienstellen wichtig sind, beschränken sich auf einschneidende, prägende Ereignisse und auf Familienmitglieder, die ein schweres Schicksal hatten oder haben. Es ist hilfreich, sich Informationen bis zu den Urgrosseltern zu verschaffen. Wenn die Verwandten schon tot sind oder nicht Auskunft geben wollen, kann man auch über die Heimatgemeinden an einige Informationen gelangen (Geburtsurkunde, Totenschein). Charaktereigenschaften der einzelnen Familienmitglieder sind für diese Arbeit hingegen weniger aussagekräftig.

 

Hier einige Beispiele, die grossen Einfluss haben können:

  • Plötzlicher Verlust der Mutter oder des Vaters
  • Totgeborene Geschwister der Eltern oder Grosseltern
  • Tod einer Urgrossmutter bei der Geburt ihres Kindes
  • Schwere Krankheiten in der Familie
  • Scheidungen
  • Totgeburten, früh gestorbene Kinder, Abtreibungen
  • Schwere Behinderung eines der Geschwister oder eines nahen Verwandten
  • Erste Beziehungen der Eltern und Grosseltern
  • Schwere Schicksale der/des ersten Partner/in der Eltern
  • Unterschiedliche Nationalitäten der Eltern
  • Anzahl der Geschwister, früh verstorbene, totgeborene Geschwister
  • Halbgeschwister
  • Ausgestossene (Familienmitglieder, die von den anderen nicht mehr akzeptiert werden, gewalttätig sind oder als verrückt erklärt worden sind)
  • Sucht (Drogen, Essen, etc.)
  • Verachtete, z.B. Straffällige oder Alkoholiker
  • Missbrauch (sexuell, Gewalt)
  • Selbstmord, Mord kann über Generationen belastenden Einfluss nehmen
  • Adoption, künstliche Befruchtung, aussereheliche, untergeschobene Kinder
  • Pflegefamilien

 

holzpuppen

Anschliessend stellen die Klientinnen und Klienten ihre Familie nach ihrem inneren Bild mit Holzpuppen auf, was bereits Hinweise auf mögliche Verstrickungen geben kann, welche dann beim Familienstellen gelöst werden können.

Durch Ahnenforschung und genaue Analysen von Familiengeschichten stellte man fest, dass sich positive Ereignisse aber auch negative sowie schwere Schicksale von Vorfahren bei Nachfahren wiederholen können. Beispielsweise fand man heraus, dass Paare oft am gleichen Tag heiraten wie bereits ihre Vorfahren, ohne das Datum jemals gekannt zu haben. Oder es können sich bei einer Person seltsame Unfälle an dem Tag häufen, an dem sich bereits früher ein tragischer Unfall in der Familie ereignete. Schützenberger (2001) nennt dies das Jahrestag-Syndrom. Schützenberger, Hellinger (2005) oder Boszromenyi-Nagy (1981) beobachteten, dass das Schicksal der Eltern, der Gross- und sogar der Urgrosseltern häufig nachgeahmt wird, obwohl man sie unter Umständen nie kennen gelernt hat.
Auch schwere ungelöste Konflikte und unversöhnlicher Hass, beispielsweise zwischen Geschwistern, können bei Geschwistern der jüngeren Generation plötzlich wieder aufbrechen. Man ist dann einfach nur ratlos, warum sie immer wieder unerbittlich aufeinander losgehen, da das Problem der Vorfahren schon lange in Vergessenheit geraten ist. Eine andere Wiederholung zeigt sich zum Beispiel bei einer Tochter mit unehelichem Kind, die von ihrem Mann verlassen wird, wie es ihre Mutter und deren Mutter bereits erlebt hatten. Auch Familiengeheimnisse, über die nicht gesprochen werden durfte, können viel später bei einem Urenkel in Alpträumen wieder auftauchen oder zu seltsamen Gedanken führen, bis er sich selbst für verrückt hält.
Die Ahnenforschung zeigt also, dass wir oft unbewusst mit dem Schicksal früherer Familienmitglieder stark verbunden sind. Man spricht dann von unsichtbaren Bindungen und Verstrickungen mit anderen Angehörigen. In diesem Zusammenhang ist allen das Sprichwort wie der Vater so der Sohn geläufig. Ahnenforschung und das Familienstellen machen jedoch deutlich, dass es eigentlich umfassender heissen müsste, wie die Vorfahren so die Nachfahren. Da viele Familienmitglieder aber unbekannt sind oder niemand mehr von ihnen spricht, fallen sie aus dem Blick, wodurch die Erklärung vieler Probleme im Dunkeln bleibt.

 

Literatur

Mc Goldrick M., Gerson R. (1990). Genogramme in der Familienberatung. Bern: Hans Huber.
Boszormeiny-Nagy Ivan, Geraldine M. Spark (1981). Unsichtbare Bindungen. Klett-Cotta: Stuttgart.
Schützenberger, A.A. (2001). Oh, meine Ahnen. Heidelberg: Carl-Auer-Systeme.
Hellinger B.(2005). Wahrheit in Bewegung. Freiburg: Herder.

Link

Familienforschung:
www.ghgb.ch/seiten/news.html

 

Familienstellen / Systemstellen

Das Familienstellen ist eine Methode, die sich aus dem Psychodrama, der Gruppendynamik und der Gestalttherapie entwickelt hat. In der von Bert Hellinger (1998, 2003) weiterentwickelten Form besteht sie darin, dass jemand für Mitglieder aus der eigenen Familie Stellvertretende auswählt und diese gesammelt in Beziehung zueinander stellt.
Die Aufstellungen sind aber nicht auf Familien-Systeme beschränkt, denn auf die gleiche Weise können auch Mitglieder oder Elemente anderer Systeme in einer Aufstellung in Beziehung gebracht werden, um zu sehen wie sie in diesem System zueinander wirken: zum Beispiel in einer Paarbeziehung, in einer Arbeitsgruppe, in einer Organisation oder im pädagogischen Bereich oder z.B. in einer Klasse die Beziehung der LehrerInnen zu ihren SchülerInnen und zu deren Eltern.

Die Aufstellungen haben zusätzlich eine Erweiterung erfahren, indem in einer Organisationsaufstellung z.B. auch Stellvertretende für Kunden oder das Produkt als Systemelemente dazu genommen wurde (Sparrer, 2001, Lehmann, 2006). In einer Paarbeziehung kamen beispielsweise Stellvertretende für die Herkunftsländer dazu, oder in Arbeitsgruppen verschiedene Ziele, um deren Einfluss auf die Gruppe sichtbar zu machen. Das Systemstellen ist also eine Methode, die in ganz unterschiedlichen Bereichen angewendet werden kann.

Das Familienstellen in seiner weiterentwickelten Form führt weit über bekannte Therapieformen hinaus und umfasst auch die spirituelle Dimension, (Hellinger, Seminar Zürich 2003).

 

Wozu dient eine Aufstellung?

Durch Aufstellungen können einerseits Beziehungsdynamiken sichtbar gemacht werden, andererseits werden durch Umstellen der Stellvertretenden Lösungen zur Zufriedenheit aller Beteiligten entwickelt.

Das Erstaunliche bei einer Aufstellung ist, dass die Stellvertretenden, sobald sie aufgestellt sind, eine andere Wahrnehmung haben. Sie fühlen plötzlich wie die Personen, die sie vertreten, ohne diese zu kennen. Die Aufstellung kann dadurch etwas bisher Verborgenes ans Licht bringen, was nicht durch Manipulation oder Hintergrundwissen erklärt werden kann. Es ist ein Phänomen, das zwar nachprüfbar ist, aber wissenschaftlich noch nicht erklärt werden kann. Durch das Familienstellen haben sich dadurch in überraschender Weise neue Einsichten in die Ordnungen menschlichen Zusammenlebens und in das Zusammenspiel von Gesundheit und Krankheit, von Abhängigkeit und Freiheit sowie den Einfluss vergangener Schicksale auf die Gegenwart ergeben.

Das entstandene Lösungsbild unterstützt und stärkt die positiven Lebenskräfte derjenigen, die ihr System aufgestellt haben. Es trägt dazu bei, sich mit dem eigenen Schicksal zu versöhnen und das Schicksal anderer zu achten.

Bereits das Miterleben fremder Familienbilder und das Vertreten von anderen Familienmitgliedern ist ein spannender Lernprozess, der auch tiefe Einsichten in die eigene Familiengeschichte ermöglicht.

Zentral nach einer Aufstellung sind integrierende Gespräche (), da sie helfen, offene Fragen zu klären, die Erfahrungen während einer Aufstellung noch besser zu verstehen und in den Alltag zu übersetzen.

Das Familien- und Systemstellen ist keine Psychotherapie und ersetzt deshalb in keiner Weise den Arztbesuch.

Aktuelle Veranstaltungen für Familien- und Systemstellen s. Veranstaltungskalender.

 

Literatur

Helliner, B. (1998). Wie Liebe gelingt, ein Kursbuch. Heidelberg: Carl-Auer-Verlag.
Helliner, B. (2003). Ordnungen des Helfens. Heidelberg: Carl-Auer-Verlag.
Lehmann, K. (2006). Umgang mit Komplexität. Perspektivenerweiterung durch Organisationsaufstellungen. Heidelberg: Carl-Auer.
Prekop, J., Hellinger, B. (1998). Wenn ihr wüsstet, wie ich euch liebe. München: Kösel.
Sparrer, I. (2001). Wunder, Lösung und System. Heidelberg: Carl-Auer-Verlag.
Ten Hövel, G., Hellinger, B. (1996). Anerkennen, was ist. München: Kösel.
Weber, G. (1993). Zweierlei Glück, die systemische Psychotherapie B. Hellingers. Heiderberg: Carl-Auer-Verlag.